mit maßloser Empörung las ich Ihren gestrigen Aufmacher
und widerspreche der Darstellung aufs Äußerste:
Nie und nimmer würde ich mich zu einer Tarnung hinreißen lassen,
geschweige denn auf blondierte Perücken zurückgreifen.
Die Welle der dargestellten Frisur übrigens könnte unter Zuhilfenahme von
aufblasbar-aufheizbaren Papilloten zustande gekommen sein, deren Benutzung
sich eher an die Zielgruppe der Feinmotoriker richtet, eine Klientel, der
Ihre zur Phantasterei neigenden Redakteure genauso wenig angehören wie ich
selbst.
Weder ist mir ein Herr Mauz bekannt noch ein sogenannter Literaturagent, der
sich, womöglich in Begleitung tangotanzender Kochkultautoren, in
irgendwelchen mit dem Buchstaben B beginnenden Städten herumtreibt.
Ich fordere Sie nicht nur um die sofortige Unterlassung dieser Behauptungen
auf, sondern um eine unverzügliche Richtigstellung mit adäquater
Entschuldigung.
Es grüßt entrüstet
Ihre Betty K.
21.02.2012
20.02.2012
Betty Kolodzy (Autorin):
sie scheinen ja auch noch
eine lyrische ader zu haben
lieber herr koebel,
die fehlt mir leider völlig.
der protagonistin von
"Reinverlegt!"
übrigens auch.
aber wer weiß,
ob nicht roma radomil...
schauns mal, herr kaebel,
man mächts ja nicht glauben:
mit einer mauer
vor dem kopf
lebt es sich
anders
nicht besser
nicht schlechter
nur anders
17.02.2012
Betty Kolodzy (Autorin):
lieber herr koebel,
sie hofften wohl,
ich hätte es vergessen:
wie sie sich bestimmt erinnern,
steht ja dieser satzteil - besser gesagt dieses
"wagte ich dann doch nicht zu schimpfen"
noch zwischen uns.
und da sie doch grade
auf der ambiente warn und
sich so aufgeregt haben
über all den konsum,
passt dieser satz doch
wie die faust aufs auge,
könnt man beinahe sagen:
Keines dieser modernen Großraumbüros, wagte ich dann doch nicht zu schimpfen, in denen vernetzte und verkabelte Menschen an einem gemeinsamen Strang ziehen, um noch ein sinnloses Produkt auf den längst übersättigten Markt zu werfen.
was meinen sie,
so wie er da steht,
ist er doch gut, gell?
Peter Koebel (Verleger):
zu und nicht hinzu
fort und weg
welkes fleisch auf
den tanzbrettern
des plattenbaus
es nicht wacken,
in plastiktüten gehühlt.
will main nicht hören
und dain und ihm
und der grässlichen geräusche
dem kopf auf den klaißen.
16.02.2012 Teil II
Peter Koebel (Verleger), Mail an Betty Kolodzy (Autorin):
Durch den kurvigen Schwung
der Locke,
in der purer Frohsinn liegt,
ist ihren Trägern
das Tor zum echten Leiden
verschlossen.
Nur die triste Glattheit
vermag Verzweiflung zu
empfinden.
16.02.2012 Tei I
Betty Kolodzy (Autorin), Mail an Peter Koebel (Verleger):
Sie haben wohl was gesucht, das zum Foto von Ihnen beim Eislaufen passt? Wussten Sie eigentlich, dass die gute Marika aus Frankfurt stammt?
13.02.2012 | Teil II (nachmittags)
Peter Koebel (Verleger):
Liebe Betty Kolodzy,
Während Sie mich über den grünen Klee loben, verweile ich dank Ihrer Karte in einer Welt der absoluten Zurschaustellung des Konsums: Der ambiente 2012.
Natürlich ist es für mich quasi unmöglich das Messegelände zu betreten, ohne automatisch an die Buchmesse und die dazu gehörige Standplanung zu denken, und ich gebe zu, dass meine Arbeitswut leicht zwanghafte Formen angenommen hat. Dass ich gerade wucherige 3,90€ für Block und Stift im Messesupermarkt gelassen habe, um diese Gedanken zu notieren (zurück im Büro werde ich sie abtippen), ist wohl der ultimative Beweis.
Ich bin mir übrigens sicher, dass Sie die Messe genossen hätten, schon am Messeeingang grüßt Ihr Lieblingsland in großen Lettern, ebenso wie an jedem Messeshuttle "MADE IN TURKEY" prangt ( - obwohl doch eigentlich Dänemark diesjähriges Partnerland ist). Aber in Halle 3.0, wo im Oktober wieder Random House logieren wird, wird aktuell eben mit viel Werbung TURKISH KITCHENWARE präsentiert. Wenn das kein gutes Omen für unsere kommenden Buchprojekte ist! Ich werde zusehen, dass ich es noch schaffe, diese - also die Kitchenware - zu sichten, vorausgesetzt ich kann mich vom Notizblock losreissen.
So oder so kann ich aber bereits jetzt sagen, dass mich diese Messe irgendwie deprimiert: Weiße Kuckucksuhren im Apple-Look, hölzerne Schneidbretter in Wildschweinform (in 3 Größen verfügbar) und viele viele Sachen, bei denen ich mich frage, ob sie überhaupt etwas können, außer... äh... aussehen.
Es ist schon erstaunlich, was Menschen alles zu brauchen meinen, anstatt ihr Geld einfach zu behalten (oder in Bücher zu investieren). Geschirrspülschwamm-Halter aus Porzellan mit Paris-Schriftzug zum Beispiel. Oder eben die Wildschweinbretter. Hätte ich sie nicht mit eigenen Augen gesehen, würde ich darauf wetten, dass dies einer Ihrer genial-absurden Einfälle aus "Reinverlegt!" ist. Vom Mauz hingebungsvoll mit Antikwachs gepflegt. Würde passen.
PS:
OMG! Ein tropfen- oder besser gesagt tränenförmiger Champagner-Cooler, der nur genutzt werden kann, wenn er an einer (extra zu erwerbenden und in esstischnähe zu montierenden) Schiene aufgehängt wird, genau damit will ich beerdigt werden. Das Ding an den leichenstarren Arm gehängt. Es ist einfach so dermaßen vollständig sinnbefreit - function follows form - dass mich dafür im Jenseits (oder wo auch immer) alle hassen und glühend beneiden werden.
PS2:
Ich habe noch was... äh... lächerlich klingt so unfreundlich - also noch etwas gesehen: Eine Esszimmerlampe bestehend aus einer Reihe leerer Weinflaschen für mehrere Hundert Euro. Ganz ehrlich, wie unkreativ (und faul) kann man sein, umso was zu kaufen? Sein Altglas um ne Lampenfassung an die Decke zu zimmern, ist ja wohl wirklich kein Kunststück.
PS3:
Ob es sein kann, dass ich nicht unbedingt zur gewünschten Zielgruppe der Messe gehöre? ;-)
13.02.2012 | Teil I (morgens)
Betty Kolodzy (Autorin):
lieber herr koebel,
während ich über den werdersee gleite,
sind sie damit beschäftigt,
die wirre zeitenfolge
in meinem roman
mit einer gewissen logik zu versehen,
eine knifflige angelegenheit...
leider hab ichs nicht so mit der zeit,
daten sind mir völlig gleichgültig,
daher wohl diese kleine ungereimtheit,
die im schlimmsten fall
zu allgemeiner verwirrung
hätte führen können.
nun frag ich mich mal wieder,
womit ich sie eigentlich verdient habe.
dass sie in meinen augen
weltbester verleger sind,
muss an dieser stelle auch mal
öffentlich gesagt werden.
mehr noch:
ich schlage sie für den titel
"verleger des jahres" vor,
was sag ich: "...des jahrzehnts".
außerdem stammt der geniale buchtitel
von ihnen, "Reinverlegt!",
auf sowas muss man erst mal kommen.
das ausruferzeichen allerdings,
das entsprang meinem hirn.
10.02.2012
Peter Koebel (Verleger):
Einigen ist vielleicht aufgefallen, dass der Link zum Blog neugestaltet worden ist. Wer sich nun fragt, wo wir das coole Bild von Betty Kolodzy herhaben, dem empfehle ich einen kleinen Besuch bei unseren Freunden vom Literatur-Quickie. Seht Ihr die Gestaltung der Cover der 9. Staffel, ahnt Ihr sicher, welche Autorin in der 10. Staffel vertreten sein wird.
Und noch ein Schmankerl: Statt eines Berichts über das Lektorat, gibt es heute einen kleinen Auszug voll philosophischer Weisheit aus "Reinverlegt!" für euch:
»Einfach einsteigen, dachte ich, und dort landen, wo man wirklich hin will. Zum Ziel gehört ein Wille, ohne den das Erreichen in weite Ferne rückt. Die Abkürzung erfolgt über Ellenbogen beziehungsweise übergroße Brüste aus Silikon, geliftete Wangen und abgespeckte Unterarme.«
09.02.2012
Betty Kolodzy (Autorin):
wissen sie eigentlich,
lieber herr koebel,
wie sehr ich mich schon
auf den erzählband von
sven-andré dreyer freu?
er erscheint einen tag vor meinem geburtstag,
vielen dank fürs timing.
und dann werd ich einfach die luft anhalten
- und schick ihnen post vom meer!
Peter Koebel (Verleger):
Liebe Betty Kolodzy,
Es ist immer schön zu merken, wie sehr Ihnen - fernab von überflüssigem Konkurrenzgehabe, von dem ich in meinem "Laden" auch nichts haben will - andere Autoren am Herzen liegen. Deshalb wette ich auch, dass Sie sind noch gar nicht drauf gekommen, dass es für Sie sogar einen egoistischen Grund gibt, sich auf "Die Luft anhalten bis zum Meer"zu freuen: Wir liegen auch bei dem Buch voll im Zeitplan, Lektorat etc. sind abgeschlossen... und bei "Reinverlegt!" wird es genauso sein. Deshalb: Keine Panik! Pünktlich am 12.04 steht Ihr Buch im Laden.
Schon am 15.03 hält Dreyers Erzählband dann "für alle" noch eine große Überraschung bereit, die Buchrückseite ist quasi ein zweites Cover... Ach, verdammt noch mal, wieso kann ich nie meine große Klappe halten? Na ja, wenn ich mich schon verblabber, kann ich auch was vervorzeigen:
UPDATE! Betty Kolodzy (Autorin):
allerliebster herr koebel,
bevor sie mich jetzt zur
gutmenschen-ikone hochjubeln,
eine kleine anmerkung:
auch ich lese ab und zu ein buch,
wenn ich denn zeit hab
und mich nicht von meinem verleger,
dem hochgeschätzten,
in ausgedehnte bloggereien
verstricken lass.
und dieser satz von
sven-andré dreyer,
der mit dem luft anhalten
und dem meer,
genau dieser satz also,
dass man bis zum meer kommt,
wenn man ins wasser steigt
und die luft anhält,
und die luft ganz lange anhält
im kalten wasser,
noch viel länger anhält,
viel länger als bis zwanzig
oder bis dreißig anhält,
viel länger die luft anhält...
genau dieser satz,
lieber herr koebel,
der hat's mir angetan!
07.02.2012
Betty Kolodzy (Autorin):
hurra,
ich bin wieder da!
das leben,
ich meine, das lektorat
liegt noch vor uns,
liebster herr koebel.
doch vorher:
fingernägel in cornflakes-packungen?
was halten sie davon,
wenn ich die beschwerdemail verfasse?
immerhin bin ich doch profi im motzen.
hatten sie mir nicht geschrieben:
"Reicht's dann für heute mit dem Rumgepampe?"
mein angebot steht,
die entscheidung liegt bei ihnen.
mit allerfreundlichstem gruß,
ihre frau k.
Peter Koebel (Verleger)
Ja ja, da hatte ich was angerichtet. Dabei wollte ich Sie ursprünglich doch nur ob Ihrer Postlesungsdepression aufheitern, in dem ich Ihnen ein kleines Liedchen geschickt habe, dessen Titel die kommende Stimmungslage perfekt beschreibt. Na ja, vielleicht wirklich einen Hauch unsensibel... Urteilen Sie selbst, verehrte Leser:
Ich bin mir sogar sicher, dass es Postlesungsdepressionen gibt. Ist doch völlig normal und jedem bekannt, der sich auf ein wichtiges Ereignis – sei es eine Lesung, ein Auftritt, eine Prüfung oder möglicherweise auch die eigene Hochzeit – vorbereitet. Vorher herrscht Aufgeregtheit, freudige Erwartung und panische Sorge: Läuft alles so wie geplant und einstudiert? Bekommt man seinen Text ohne zu stolpern und zu stottern raus? Schafft man es ausnahmsweise einmal auf die Bühne, ohne über seine eigenen Füße zu stolpern?
Und dann... Ist alles auf einmal auch schon wieder vorbei. In gefühlten Sekunden, weil man so im Treiben war, dass man gar nicht mitbekommen hat, wie die Zeit verfliegt. So wie damals beim Abitur (oder anderen Prüfungen): Vorher schien einem undenkbar, dass man ganze fünf Stunden lang Klausur schreiben soll. In der Situation selbst, als die Aufsicht verkündete, dass man nun zum Ende kommen müsse, dachte man nur entsetzt: "Was?! Jetzt schon?!"
Wie gesagt, Stunden wie Sekunden und ich persönlich glaube ja, dass man genau wegen diesem empfundenen Zeitwiderspruch – Wochen der gedanklichen Vorbereitung vs. Ganz-schnell-vorbei – danach manchmal in ein kleines Loch fällt. Auf einmal ist alles auch schon wieder rum, im Tagesablauf ist eine riesige Lücke, die bisher mit Vorbereitungen und Vorfreude gefüllt war.
Im Kontext des Vorangegangen passt nun ausgezeichnet, zu berichten, dass ich Samstag einmal eine kulturelle Veranstaltung besucht habe, mit der ich ausnahmsweise mal so überhaupt gar nichts zu tun hatte. Damit meine ich natürlich nicht, dass ich mit so furchtbar vielen Veranstaltungen in Verbindung stehe, dass es kaum andere gibt, die ich mir ansehen könnte, sondern lediglich, dass mir in der Regel die Zeit fehlt, das vielfältige Angebot jenseits von michason & may zu nutzen. Doch nachdem ich letzte Woche bei der Lesung mit Betty Kolodzy die Flyer entdeckt hatte, wusste ich, dass ich mir dieses "Schmankerl" nicht entgehen lassen würde:
Im Bruchköbler Kunstraum Artrium wurde die Ausstellung ZeilArt mit Bildern von Henning Bruns eröffnet, der weibliche Modelle im Alltagsgeschehen aufeiner der meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands ablichtet. Oder um es mit einem seiner Bilder und seinen Worten zu erklären:
"[Das gezeigte Bild] entstand auf der Zeil in Frankfurt und soll Bestandteil meines Streetfashionprojekts werden. Dabei steht ein Part fest d.h die Dame ist ein Modell von mir. Der Passant und seine Reaktion sind Zufall."
Das Schöne an diesem Abend war, als Teil des Publikums – ohne Verantwortung für die Organisation, den Ablauf oder die Moderation – konnte ich einfach durch das Artrium schlendern, gedankenversunken die Bilder auf mich wirken lassen und – natürlich – mir eine subjektive Meinung bilden, ohne dass ich dabei gleichzeitig über mich mitrichte ;-)
Mein persönliches Fazit:
Interessante Aufnahmen, sehr gut in Szene gesetzt und definitiv ist die Ausstellung es wert, sich vonFrankfurt (oder von anderswo) auf den Weg nach Bruchköbel zu machen. Und wie es sich gehört, damit die Welt da draußen meinem Loblied glaubt, natürlich habe ich auch ein kleines Haar in der Suppe entdeckt. Dabei fällt mir ein, ich hatte die Tage einen Fingernagel in meinen Cornflakes und wollte deshalb noch eine böse Beschwerdemail verfassen, aber das gehört wohl nicht hier her. Also zurück zum Haar: Das folgend gezeigte, ebenfalls sehr gelungene Bild trägt den Titel "La Parisienne".
Mmh, zum einem scheint es, als lässt mich meine alte Heimat nicht so ganz los (oder ich sie nicht), zum anderen – im Rahmen einer Ausstellung namens ZeilArt – wäre "La Francfortoise" nicht passender gewesen?
So, mit dem In-den-Raum-werfen dieser Frage schließe ich für heute, für alle die neugierig geworden sind und sich eine eigene Meinung bilden möchten: Die Ausstellung läuft noch bis 16.2.2012, alle Infos gibt es hier.
Die Homepage des Fotografen Henning Bruns findet sich hier.
"Eventmanagement michason & may, Koebel Guten Tag, was kann ich für Sie tun?"
...
"Verstehe, einen Moment bitte!"
Kramen in Unterlagen.
"Hören Sie? Nein, ich bedaure. Am 29.02 ist Betty Kolodzy leider schon ausgebucht... 19.04? Ganz schlecht! 18.08? Mmh... am Morgen vielleicht, allerdings bräuchten wir dann einen Hubschrauber, damit sicher ist, dass Frau Kolodzy pünktlich um 17h in Hamburg ist."
...
"Ja, ich verstehe. Möchten Sie sich bereits für 2013 vormerken lassen? So ab September vielleicht?"
Natürlich übertreibe ich ein wenig (oder maßlos), aber so langsam steigt uns die Zahl der Veranstaltungen zu Kopf. Ich meine, wir haben den 1. Februar, das Buch erscheint am 12.04 und wir haben bereits um die 12 Veranstaltungen. Wobei ich mir inzwischen sicher bin, dass es am Ende des Jahres Minimum 20 sein werden. Auf jeden Fall habe ich nun extra einen A4-Jahresplaner nur für Reinverlegt!-Termine angelegt, da mein persönlicher Horror inzwischen die Vorstellung ist: "Du hast doppelt gebucht?!"
Betty Kolodzy plagen dagegen vor den Lesungen ganz andere Sorgen, aber lest selbst:
Ich muss ja gestehen, dass mich Betty Kolodzys Prälesungssorgen nur bedingt tangieren. Durch die Erfahrung letzte Woche weiß ich, was ich wissen muss: Sie wird sicher auch andernorts das Publikum genauso begeistern wie in Bruchköbel. Damit ist für mich die Sache klar und ihr prälesungsschockstarrebedingter Schlagfertigkeitsmangel verschafft mir vielleicht sogar eine kleine Pause, bevor ich für diesen Blogeintrag mein Fett wegkriege ;-)
31.01.2012
Peter Koebel (Verleger):
Inspiriert von der Bildkunst an den Wänden des Bruchköbler Kunstraum Artrium habe ich heute morgen mal wieder meine Bildbearbeitungskenntnisse bemüht... et voilà...
REINVERLEGT: Classic vs. Comic
Wie? Ja, Betty Kolodzy, ich weiß, in der Zeit hätte ich wichtige Telefonate führen können. Ja, ich weiß, das gibt Ärger...
Bilder (und Text) vom (über den) Abend in Bruchköbel gibts übrigens auch auf der Seite der Stadt.
30.01.2012
Betty Kolodzy (Autorin):
Was zuvor geschah (siehe Blog von 28.01):
Betty K. und Peter K. landeten in Bruchköbel in einem bayrischem Wirtshaus anstatt dass die Bremer Autorin mal eine richtig hessische Lokalität von innen gesehen hätte. Aufgrund eines länger zurückliegenden Telefonats hatte Peter K. jedoch Frankfurter Würstchen als Präsent dabei und versprach dann hier im Blog, dass es das nächste Mal Handkäs und Äpplwei geben würde. Dazu hat Betty K. natürlich was zu sagen:
habe ich so viele interessante menschen getroffen,
warmherzig und kreativ,
so viel nähe und gastfreundschaft erfahren,
dass ich nun gerührt
auf die bruchwiesen hinausschaue,
denen der ort seinen namen verdankt.
das zweite substantiv im kompositum,
lieber herr koebel,
hängt ja bekanntermaßen
mit ihnen zusammen.
jaja, der alte Gag...
wie schön mag es hier
eigentlich im sommer sein,
wenn der ort sogar
bei diesig kaltem wetter
solch eine freundliche ausstrahlung hat?
vielleicht liegts an den fachwerkhäusern,
die in mir als gebürtige wolfenbüttlerin
frühstkindheitserinnerungen wecken?
oder an der pension aloisius
als reminiszenz an meine bayerische heimat?
das bayerische
war ja eher ihnen aufgefallen,
herr koebel,
als wir uns im restaurant
zum ersten mal sahen
Das wiederum fand ich lustig. Da kommt eine Bremer Autorin in das Herz von Hessen und wir landen ausgerechnet in einer bayrischen Gaststube. Aber glücklicherweise hatte ich Ihnen ja ein Glas echte Frankfurter Würstchen mitgebracht. Das nächste Mal gibt dann Handkäs und Äpplwei...
und sie mit ihrer dicken winterjacke
in der aloisius-gaststube saßen.
Sie fanden doch selber, dass es kalt da drin war!
besitzen sie keine pullover
Die hab ich alle vertickt und in die Leseprobenbooklets zu "Reinverlegt" investiert. Und [VORSICHT TEASER] in die Rechte für unsere nächsten zwei Buchprojekte.
oder tragen sie im winter
aus überzeugung
dünne hemden,
um dann wie ein schneider zu frieren?
ich werde per crowdfunding
geld für einen wollpullover auftreiben
und ihnen diesen zur book-release-party
persönlich überreichen.
irgendwelche farbwünsche?
Um es frei zitiert mit den Worten von Henry Ford (bzgl. T-Modell) zu sagen:
Ich trage jede Farbe, sofern es schwarz ist. (oder wegen mir noch grau oder blau)
wie sie es sich schon gedacht hatten,
hab ich es gestern abend wirklich geschafft,
mich in den 50 metern zum lesungsort „artrium“
zu verlaufen,
Fürs Protokoll: Ich erinnere mich genau an Ihren höhnischen Blick, als ich - fürsorglich wie ich bin - gefragt habe, ob Sie wissen, wie Sie hinkommen! Das nennt man dann wohl ausgleichende Gerechtigkeit ;-)
handy lag auch im hotel,
aber nach zwei mal fragen
(der erste war ortsunkundig),
fand ich schließlich doch noch dorthin.
und dann die große überraschung:
da warteten außer herrn hußing und herrn tobur,
die mit viel herzblut
die ausstellung „grenzenlose kunst“
auf die beine gestellt hatten,
türkische künstler,
mit denen ich mein verschüttetes türkce
mal wieder auffrischen konnte
– wieviele wörter
scheinen in meinen gehirnwindungen
festzuhängen
oder aber sie gelangen
an die oberfläche,
wo sie,
völlig entstellt,
ihren sinn verlieren –
leider blieb mir in der aufregung
kaum zeit,
die kunst von selda tobur,
faruk yazicilar und busayir ilhan
zu betrachten,
ich werds im internet nachholen.
und dann die lesung
vor einem äußerst aufmerksamen publikum,
sehr offen und liebenswürdig und,
wie sich herausstellte:
äußerst individuell.
vom ehemaligen kabarettisten,
der jeden morgen von neuen ideen
zur kunst
aus dem schlaf gerissen wird,
über offene, lebensfrohe herrschaften
bis zu den theaterleuten,
die in eine jurte ziehen wollen
– da merkt man erst
was für ein langweiliger spießer
man geworden ist!
was für ein großes glück,
dass beim föhrer literatursommer
herr hußing und frau weber
im publikum saßen
– herzliche grüße an sie beide,
und an die anderen bruchköbler
von gestern abend.
hür ve selda, busayr ve faruk –
cok selamlar, sevgiler...
görüsmek üzere!
vielen dank noch mal
für die einladung
und die schönen stunden!
übrigens herr koebel,
ich finde,
sie machten sich
im gemütlichen lesesessel
äußerst gut!
Zur Erklärung: Nach der Lesung aus und angeregten Diskussionen zu "Istanbul Walking" wollte das Publikum gerne noch etwas aus dem Roman "Ali, der Tinnitus und ich" hören. Und da Betty Kolodzys Stimme bereits etwas strapaziert war, kam sie spontan auf die Idee, dass ich das doch machen könnte.
Gefordert, getan und ich kann mich nur bei den Bruchköblern bedanken, dass sie nachsichtig darüber hinweg gesehen haben, dass ich beim improvisierten Lesen ein- oder zweimal etwas geholpert habe.
Ansonsten kann ich mich Ihnen nur anschliessen, es war wirklich sehr gelungener Abend mit tollem Publikum, interessanten Gesprächen und und und...
Danke an Herrn Hußing und Herrn Tobur für die Einladung und die Organisation, wir kommen jederzeit gerne wieder. Oder - um es mit dem Slogan der Stadt zu sagen:
Bruchköbel: Da will ich lesen!
27.01.2012
Betty Kolodzy (Autorin):
freitag, 16 uhr 20 (vor der Lesung)
die fahrt nach bruchköbel
gestaltet sich abenteuerlicher
als ich dachte:
züge voller menschen,
die sich in den gängen stapeln,
doch den gipfel bildet der kasseler bahnhof:
eine frostige angelegenheit,
die stark nach sibirien anmutet
(wo ich natürlich noch nie war).
die architekten, die dieses windige teil geplant haben,
hätten einen ehrenplatz
hinter der mauer aus kalksandstein verdient.
oder hängen sie womöglich
mit den gastronomiebetrieben zusammen,
in die sich reisende
mit allzu langen umsteigezeiten
flüchten sollen?
in der zugigen halle jedenfalls
kann man nicht sitzen.
hatten die architekten hier
eine falsche assoziation?
dachten sie, ein bahnhof für züge
muss zugig sein?
gott sei dank
fand ich meine handschuhe wieder,
nachdem ich mir einen heißen tee
im pappbecher gegönnt hatte.
stoffelig dann die leute im zug.
da wird nicht zurückgegrüßt,
da wird arrogant in die luft gestarrt.
ich hoffe stark, dass die knatschige frau neben mir
am ende nicht womöglich im publikum –
und dann mir gegenüber sitzt!
sie scheint auf jeden fall
keine lust zu haben,
die armlehne mit mir zu teilen.
dafür hat die bahn endlich ihre klimaanlage im griff:
wie am bahnhof herrscht eiszeit im wagen.
ich sitz hier gleich mit mütze, schal,
handschuhen...
und werde der frau neben mir
den daunenanorak entreißen!
ich fange schon an zu niesen,
das sind die besten voraussetzungen
für „unsere“ lesung heute abend
- gell, herr koebel?
26.01.2012
Betty Kolodzy (Autorin):
lieber herr koebel,
ich hätt da ne geniale idee:
was halten sie davon,
wo sie doch jetzt durchs lektorat
so (vor)leseerprobt sind,
am freitag in bruchköbel
an meiner stelle zu lesen?
und ich tät ihnen
ganz aufmerksam zuhören,
so wie immer.
Betty Kolodzy (Autorin):
ich meine,
wegen der Sehstörungen!
Peter Koebel (Verleger):
Schlicht und ergreifend: Ich seh da nur ein Nein.
Also, ich würde natürlich sofort für Sie einspringen, für unsere Autoren machen wir schließlich fast alles, aber stellen Sie sich die Enttäuschung der Leute vor! Die kommen in der Erwartung Betty Kolodzy zu sehen und ihrer Stimme zu lauschen. Stattdessen säße ich da und jeder würde sich wundern: "wat will der denn da?" Kommt sicher nicht gut an. Belassen wir es lieber beim ursprünglichen Plan.
Betty Kolodzy (Autorin):
ihre antworten,
lieber herr koebel,
waren auch schon mal origineller.
den überraschungseffekt beim publikum
sollten sie nicht unterschätzen.
und
KÖBEL LIEST IN BRUCHKÖBEL
soll einem erst mal jemand nachmachen!
aber ich füge mich,
denn sie sitzen ja,
wie auch sonst,
am längeren hoebel,
herr koebel.
Peter Koebel (Verleger):
Tatsächlich wurde mir heute am Telefon gesagt, dass die fernab von Hessen sitzende Anruferin im ersten Moment dachte, ich hätte mir den Stadtnamen ausgedacht und gleich noch eine Website dazu angelegt. Google brachte dann Aufklärung. Sooo ideenreich, dass wir gleich eine ganze Stadt virtuell anlegen, sind wir dann halt doch nicht. Aber wenn man schon mal auf die Idee gebracht wird...
WILLKOMMEN IN
Türen schliessen selbstständig, Vorsicht bei der Abfahrt. Nächste Haltestelle:
23.01.2012
Peter Koebel (Verleger):
Kaum hatte ich hier im Blog geschrieben, dass das Lektorat wunderbar harmonisch abläuft, kam prompt per Mail die Antwort von Betty Kolodzy:
warum schreiben sie denn nicht,
wie's ist, herr koebel?
sagen sie doch einfach,
dass ich ihre korrekturen
nicht mehr sehen kann!
und wenn sie wollen,
dann schreiben sie doch einfach,
wie ich auf dem sofa liege
und sie mir den text vorlesen...
aber das glaubt uns ja eh keiner!
Ich bin ja offen gesagt immer noch sehr skeptisch, ob es klug ist, das zu veröfffentlichen (deswegen habe ich auch so lange gezögert, die Mails in den Blog zu stellen). Was soll das bringen, außer Ärger für mich? Ich meine, wenn uns keiner glaubt, damit kann ich leben. Aber wenn jetzt alle Autoren auf die Idee kommen, dass sie aktuell Sehschwierigkeiten haben und ich Ihnen deshalb alles vorlesen muss, dann bin ich im Ar...
19.01.2012
Betty Kolodzy (Autorin):
herr koebel,
unser blog verwaist!
nicht,
dass man denkt,
wir wären beim lektorat
zu heftig aneinander geraten -
und womöglich klopft jetzt
einer von uns
gegen eine mauer
aus kalksandstein.
Peter Koebel (Verleger):
Liebe Frau Kolodzy,
Ich weiß, ich weiß...
Beim Telefonat gestern hatten Sie mich ja schon drauf gebracht, dass ich den Blog mit Betrachtungen um das Wort "verwahrlost" wieder aufnehmen sollte, nachdem wir ganze sechs Tage nichts gepostet haben. Der Blog verwahrlost, wir verwahrlost, dabei gehen wir wahrhaft losigen Zeiten entgegen, denn:
Nachdem Betty K. und ich uns Wochen wegen der Wortstellung in einem Satz gefetzt und uns mit Terrormails bombardiert haben, nachdem die Bucherscheinung in weite Ferne zu rücken schien... läuft es doch nun wie geschmiert! Das Lektorat findet in fast schon langweiliger Harmonie statt, der Terminkalender füllt sich schneller als wir die Ankündigungen bringen können und nächste Woche sehen wir uns dann ja auch, wobei ich immer noch nicht gewillt bin, mir was (alternativ: oder) zu brechen, nur weil es dann ein seichtes Wortspiel à la "Der Koebel bricht in Bruchkoebel" gibt.
13.01.2012
Peter Koebel (Verlag):
Betty Kolodzy und ich sollten wirklich anfangen, unsere Telefongespräche aufzuzeichnen und zu transkripieren. Zum Glück kommunizieren wir aber auch oft genug per Mail, so dass wir euch einfach via Copy & Paste an unserer Kommunikation teilhaben lassen können. Zugegeben, dass der Hamburger Hotelpsychopath zu einem kleinen Running Gag zwischen uns wird, war abzusehen:
Betty K.:
was halten sie davon, statt "verlag" "verleger"
hinter ihren namen zu setzten,
sozusagen als pendant zu "autorin"?
oder sind sie womöglich gar nicht der verleger,
sondern ein psychopath, der sich in die büroräume eingeschlich...
nein, was für ein schrecklicher gedanke!
Peter K.:
Oder Sie eine getarnte Wortpyschopathin, die sich als Autorin ausgibt, während die echte Betty Kolodzy verzweifelt gegen eine Granitmauer in einem Bremer Keller schlägt? Und sogar der Polizist ist drauf reingefallen. Den Hinterhof pflastern... So einfallslos als Ausrede, dass es einfach unverdächtig wirken musste!
Betty K.:
wortpsychopathin?
gefällt mir gut.
Da heute Freitag der 13. ist, werden wir uns den Rest des Tages wohl ruhig und unauffällig verhalten. Man muss das Schicksal ja nicht herausfordern. Und dann heißt es Gas geben, weniger als drei Monate bis zum Erstverkaufstag, die Uhr tickt unerbittlich. Zeit das Lektorat abzuschliessen, was explosive... ich meine natürlich exklusive Blogeinträge verspricht. In diesem Sinne, nicht durch die Leiter gehen und Achtung vor der schwarzen Katze.
PS:
Der am Montag aufgenommene Podcast zur "Literarischen Woche Bremen" ist inzwischen auch online und hier zu finden. (Ausgabe 2, so ab der Mitte)
12.01.2012
Betty Kolodzy (Autorin):
hamburg war toll!
ist ja auch eine meiner
ganz großen lieben.
(geht die liebe überhaupt im plural?
ich meine,
was machen menschen wie ich,
die mit nem großen herz?)
ist also momentan
DIE große liebe.
die atmosphäre im hafenbahnhof
war sehr intensiv.
ein ganz spezielles publikum und auch das
hafenbahnhofteam, die veranstalter,
mitkünstler, meine hamburger freunde,
alle sehr speziell.
sollt ich mich mal wieder nicht richtig
ausdrücken können,
liegts an der euphorie.
süpersympatisch jedenfalls das ganze,
zum wohlfühlen.
ich las als erste,
damit ich später in ruhe
meike schrader und hartmut pospiech
genießen konnte.
und weil im publikum auch
viele autoren saßen,
stieß "Reinverlegt!"
auf großes verständnis.
lutz kramer, der moderierte,
befürchtete sogar
oder hegte er den wunsch?
dass,
wenn das buch erst mal draußen ist,
womöglich immer mehr literaturagenten
von der bildfläche verschwinden werden.
lassen wir uns überraschen!
die teegläser im hafenbahnhof
übrigens sind nichts für grobmotoriker.
und der psychopath nachts vor dem hotel,
herr koebel,
hatten sie den vorbeigeschickt?
10.01.2012
Peter Koebel (Verlag):
Mein erster Reinverlegt-Alptraum! Geradezu panisch bin ich heute Morgen mit den Gedanken aus dem Bett gesprungen: "Du hast total verpennt! Du musst doch zur Lesung nach Köln!"
Zum Glück fiel mir noch vor dem panischen Sprint zum Auto ein, dass wir 1. noch gar keine Lesung in Köln terminiert haben und ich 2. am heutigen Tag "nur" daran denken muss, die Hotelreservierung für Betty Kolodzy zu bestätigen.
Zwar etwas unnötig am frühen Morgen, aber meine Aufregung hat einen positiven Grund: Nachdem gestern ein Podcast für die "Literarische Woche Bremen" aufgenommen wurde, stellt Betty Kolodzy heute bei Phase Zwo in Hamburg erstmals in einer Preview ihren neuen Roman "Reinverlegt!" vor. Dementsprechend brenne ich natürlich darauf zu erfahren, wie die Leseprobe beim Publikum ankommt und hätte nichts gegen eine Kritikenpreview bzgl. der Lesepreview einzuwenden. Aber wir werden uns wohl gedulden müssen, bis Betty Kolodzy zurück ist und berichten wird. (Der Bericht kommt dann natürlich sofort hier in den Blog.)
Doch ich bin optimistisch, denn abgesehen davon, dass das Buch meiner Meinung nach einfach genial ist - ich glaub, deshalb verlegen wir es auch, da war was... Auf jeden Fall, abgesehen davon, der Karstadt auf der Zeil hat mir eben einen beruhigenden Moment beschert. Nachdem die örtliche Presse lang und breit über die erfolgten Umbaumaßnahmen in der Lebensmittelabteilung berichtet hat, konnte ich nach Kauf einiger Büroartikel nicht widerstehen, einen schnellen Blick ins durchdesignte Futterparadies zu werfen. Und was blinkt mir über der Weinabteilung in großen Lettern entgegen? "á votre santé" (statt à votre santé). Wunderbar, auch im PERFETTO ist nichts und niemand perfekt und natürlich kommt die Kostprobe in "Reinverlegt!" heute Abend prima an.
Betty Kolodzy (Anwort auf Peter Koebels Eintrag vom 06.01.2012):
wissen sie eigentlich,
dass es früher
keine lachkommandosymbole gab?
ich meine dieses seltsame zeichen
am ende ihres satzes:
Der Rest wird spätestens nach dem Büchner-Preis ein neuer
Literatur-Szenen-Mythos sein ;-)
semikolon, trennungsstreich, klammer falschrum
(wär mir ja viel zu aufwendig)
früher musste man sich schon selbst entscheiden,
wann man lachen wollte
beziehungweise musste man sich die mühe machen,
herauszufinden,
ob das geschriebene nun ernst gemeint war
oder nicht.
bei ironie gar nicht so einfach, was?
ihr satz mit dem büchner-preis,
lieber herr koebel,
wär womöglich in die hose gegangen,
man hätte sie im besten fall
für größenwahnsinnig gehalten.
wie machen leute wie sie das eigentlich
beim sprechen?
gibt es da irgendwelche handzeichen für
wenn man lachen soll?
06.01.2012
Betty Kolodzy:
da draußen schüttet es in strömen,
das macht ganz sentimental.
und in dieser ergriffenen stimmung,
liebster herr koebel,
denk ich an unser erstes telefonat zurück.
wissen sie noch,
wie sie mich damals angerufen haben?
zwei tage, nachdem ich das manuskript
in ihren virtuellen briefkasten gesteckt hatte!!!
(wenn sie wollen
können sie ja schreiben
dass ich ihnen vorgeworfen habe,
warum sie überhaupt manuskripte lesen)
und dann tät ich antworten:
und sie haben gesagt:
“wie mans macht, macht mans falsch.”
Peter Koebel:
Ja... Tja... Vielen Dank! Das Verraten der Tatsache, dass es "damals" bei Ihnen nur zwei Tage gedauert hat, bis ich auf Ihre Zusendung reagierte und anrief, wird zu Hunderten von Beschwerdemails von Autoren führen, warum sie "so lange" warten müssen. Dazu möchte ich sagen: Wir lesen wirklich ALLES was kommt und weil sehr viel kommt, dauert das halt manchmal etwas. Außerdem: Sind wir extrem schnell, glauben Autoren wie Betty K. nicht, dass ich das Manuskript tatsächlich gelesen habe. Wie mans macht... Wurde ja bereits zitiert.
Warum es bei Betty Kolodzy so schnell ging? Wie ich seinerzeit auf dem Autorenworkshop auch sagte: Ein kurzes, aber neugierig machendes Anschreiben schadet nie. Manchmal kommt auch Glück hinzu, wenn man statt auf "Datei speichern" auf "Datei öffnen" klickt und dann direkt auf eine geniale Exposé-Überschrift blickt, so dass man einfach weiterlesen MUSS. Fies war für mich dann natürlich, dass sich rausstellte, dass michason & may nicht der einzige Verlag war, der das Manuskript wollte. Doch manchmal stimmt eben alles: Manuskript, Verlag, Autorin, Verleger... Der Rest wird spätestens nach dem Büchner-Preis ein neuer Literatur-Szenen-Mythos sein ;-)
05.01.2012 Was bisher geschah (Previously On Desperate Litpeople):
Nach Vertragsschluss machten sich Autorin und Verleger in Windeseile daran, Cover, Klappentext und Buchbeschreibung zu erstellen. In Windeseile? Sie stellten schnell fest, dass man ausgiebig über ein simples »Aber« diskutieren kann. Während der täglichen Mailwechsel und Telefonate wurden dann nicht nur diverse Lesungen terminiert, sondern dank gegenseitiger Vertipper auch gleich neue Ausdrücke erfunden. »Ich seh da nur ein Nein!«, fasste die Autorin als klare Ansage einer Absage auf, dabei war das nur ein kleiner Verlegerschreibfehler, der eigentlich auf den Einwand der Autorin »Da steht zweimal nicht« sagen wollte, dass er nur ein »Nicht« sieht. Mehr ging auch nicht, denn was die Autorin eigentlich meinte, war, dass ihr die Kombi von »sich nicht« hintereinander nicht zusagte. Und so erscheint wenig überraschend, dass nun ausgerechnet diese zwei Vollzeitkommunikateure einen gemeinsamen Blog starten wollen, was wohl zu einer Menge Mailwechsel der folgenden Art führen wird.
Betty Kolodzy (19h08):
was ich aber an ihrer zweijahres-rückschau [Anm.: hier zu finden] sehr interessant fand, lieber herr koebel, war die tatsache, dass sie mit einem füller zur notariellen verlagsgründung gingen. nun versteh ich auch, warum sie meinen roman unbedingt reinverlegen wollten! »Füllfederhalternutzer sind zartbesaitete Wesen, intellektuell und feingliedrig«, heißt es doch darin.
Peter Koebel (19h11):
Eben, ich dachte, mit Ihnen finde ich als zartbesaiteter Verleger eine gutherzige Autorin. Stattdessen hacken Sie nur auf mir rum...
Betty Kolodzy (19h15):
ähm herr koebel, das [Anm.: der Text von 19h08] sollte eigentlich in den blog...
Peter Koebel (19h19):
Dann schreiben Sie das doch dazu!
Betty Kolodzy (19h21):
also soll das jetzt in den blog?
Habe die fahrkarte und ein neues fahrradschloss [Anm.: für den Termin am 10.01 in Hamburg]
dies nicht in den blog
der fahrradmensch hat mich nicht mehr erkannt
letztes jahr wollte er noch eine privatlesung an der weser mit mir
er hätte den kaffee mitgebracht
dies aber nicht in den Blog
heute hat er mich gesiezt
Nicht in den Blog? Oops, I did it again... Bis morgen.
Betty Kolodzy (20h41):
herr koebel,
die leute denken jetzt,
dass ich mit fahrradschloss per bahn zur lesung fahr.
ich fühl mich reinverlegt!
das eine hatte mit dem anderen nix zu tun.
es wird immer wirrer hier.
warum fangen wir nicht einfach noch mal von vorne an?
erklären sie, dass sie mich per blog von diesen neuen medien überzeugen...
ach egal,
machen sie, was sie wollen!
ich hab zu tun.
außerdem schreib ich immer klein!!!!
Pünktlich zum neuen Jahr starten Betty Kolodzy und ich den Versuch eines gemeinsamen Blogs, der zeitlich befristet ist und am 12.04.2012 (dem Erscheinungstag von »Reinverlegt!«) enden soll. Die Idee zum Blog kam uns, als ich Betty Kolodzy am Telefon vorschlug, dass wir unsere Emails und Gespräche in ein Manuskript packen sollten, dass »Szenen einer Zusammenarbeit« heißen sollte. Es gab auch noch einen Untertitel, aber den hab ich natürlich vergessen, da nicht gleich aufgeschrieben. Aber dafür gibt es jetzt ja den Blog. Da, liebe Frau K., ich hab schon wieder ein ABER eingebaut. Und das bleibt auch drin!